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Smile Game Builder im Test

Erst seit wenigen Tagen ist mit dem Smile Game Builder eine neue Anwendung auf dem Markt, mit der Nutzer 3D-RPGs erstellen können – ganz ohne Programmierkenntnisse, so zumindest das Versprechen der Entwickler. Im Test gehen wir auf die Stärken und Schwächen des rund 70 Euro teuren Tools ein.

3D-Spiel mit wenigen Mausklicks erstellen


Spieleentwicklung ist ein wirklich interessantes Thema, das viele Menschen reizt. Allerdings verfügen nur die wenigsten Nutzer über Programmierkenntnisse und scheuen deshalb den Einstieg. Für diese Zielgruppe gibt es spezielle Programme auf dem Markt, die von unerfahrenen Anwendern bedient werden können und dennoch einen gewissen Umfang bieten. Während etwa der RPG Maker MV (zum Test) auf die Erstellung von 2D-Rollenspielen ausgelegt ist, bietet der kürzlich erschienene Smile Game Builder die Darstellung in echter 3D-Grafik. Das Programm ist aktuell nur für Windows-PCs über die Gaming-Plattform Steam erhältlich, eine kostenfreie Testversion steht ebenfalls zur Verfügung.
Los geht’s: Die erste Karte für das eigene Spiel erstellen


Zunächst muss der Anwender ein neues Projekt erstellen und eine Spielkarte anlegen. Der Leveleditor ist der Kern des Programms und wurde von den Entwicklern gut umgesetzt. Ähnlich wie bei einem Zeichenprogramm wählt der Nutzer das gewünschte Geländeobjekt aus und platziert es auf der Karte. Durch die einfache Bedienung können auch Einsteiger bereits nach wenigen Minuten ihre ersten Landschaften mit Bäumen, Flüssen und Gebäuden gestalten. Die Bäume, Gräser und Zäune sind dabei schön gestaltet und der Look ist stimmig. Etwas schade ist, dass die Zahl der mitgelieferten Objekte arg eingeschränkt ist und es keinen großen Fundus anderer Dekorationselemente gibt, um die Karten noch abwechslungsreicher zu gestalteten. Zusätzliche Grafiken lassen sich zwar importieren, doch dazu muss der Nutzer eigene Objekte in einem 3D-Tool wie Maya oder Blender erstellen, was nur den wenigsten gelingen dürfte. Wer dennoch etwas mehr Dynamik in sein Spiel bringen möchte, kann bestimmte Bereiche der Karte anheben und so etwa Hügel und Berge erzeugen. Gerade dieses Element macht besonders viel Spaß und macht auch optisch einiges her.
Apropos Optik: Nutzer können bei der Kartengestaltung für Atmosphäre sorgen, indem sie etwa die Tages-/Nachtzeit oder den Wettereffekt abändern. Die Stimmung wird durch die grafische Darstellung des Editors gut aufbereitet und lässt sich direkt in der Vorschau betrachten. Alternativ kann der Anwender jederzeit durch einen Klick auf den Playtest-Button sein Spiel austesten und das Ergebnis seiner Arbeit betrachten. Mit den Pfeiltasten wird dann die Spielfigur quer durch die Landschaft bewegt und es kann mit Objekten interagiert werden.

Einfache Events im Handumdrehen, komplexe Ereignisse nur mit größter Mühe


Um die Interaktion mit Objekten zu ermöglichen, ist er Einsatz von Events erforderlich. Dazu geht der Nutzer auf den Reiter Events in der rechten Bildschirmecke. Neben einigen vordefinierten Ereignissen, die etwa das Ansprechen einer anderen Person oder die Erstellung einer Schatztruhe ermöglichen, kann der Nutzer auch individuelle Events erstellen. Dabei greift das Programm auf eine Baukastenmechanik zurück, welche die Verkettung mehrerer Ereignis-Bestandteile ermöglicht.
Ein Beispiel: Ein NPC läuft zwei Schritte nach rechts, startet dann einen Dialog mit dem Helden und macht anschließend kehrt, um zur Ursprungsposition zurückzugelangen. Allerdings dürften die Mehrheit der Nutzer komplexere Events mit dem Smile Game Builder erstellen wollen. Dies erfordert allerdings einiges an Einarbeitung und der Event-Editor steht sich an einigen Stellen selbst im Weg und kann mit der Einfachheit des RPG-Maker-Ereignissystems nicht mithalten. Störend fällt auch der Mangel an Startbedingungen auf, die eingestellt werden können. So kann der Nutzer nur sehr rudimentär festlegen, wann ein Event starten soll. Wir vermissen etwa eine Einstellung, welche die aktuelle Blickrichtung des Helden abfragt. Hoffentlich haben die Entwickler hier ein Einsehen und erweitern das Eventing des Programms noch umfassend.
Um das eigene Game spielerisch aufzupeppen, können Nutzer zudem Kämpfe einbauen. Wer sich allerdings auf Duelle in 3D-Grafik eingestellt hat, wird enttäuscht. Stattdessen müssen sich Nutzer standardmäßig mit Front-Ansichts-Kämpfen im 2D-Look zufriedengeben, die optisch wenig spektakulär gestaltet sind. Hier hat der Entwickler eindeutig Potenzial verschenkt. Durch den gekonnten Einsatz von Events ist zwar die Erstellung eines eigenen Kampfsystems in 3D-Grafik zumindest auf dem Papier denkbar, doch für die Mehrheit der Nutzer dürfte dies nicht in Frage kommen.

Ein Kampf mit der Sprache?


Der Smile Game Builder wird derzeit nur in englischer und japanischer Sprache angeboten, eine deutsche Übersetzung gibt es hingegen nicht. Zwar können Nutzer alle Elemente innerhalb des Spiels mit einem Lokalisierungstool übersetzen, doch die Benutzerführung in der Anwendung bleibt davon unberührt. Die fehlende deutsche Lokalisierung könnte gerade jüngere Entwickler vom Kauf des Programms abhalten.

Geld mit Smile-Game-Builder-Spielen verdienen

Dem Nutzer wird beim Smile Game Builder die Möglichkeit eingeräumt, selbst erstellte Spiele etwa über Steam kommerziell zu vertreiben. Bislang ist allerdings ausschließlich der Export des Spiels in Form einer .exe-Datei möglich, weshalb nur Windows-Nutzer zum Zuge kommen. Viel wichtiger dürfte allerdings diese Frage sein: Lässt sich trotz des (noch) eingeschränkten Programmumfangs überhaupt ein vollständiges Spiel mit dem Smile Game Builder erstellen? Ja, allerdings müssen Nutzer sehr viel Zeit und Arbeit investieren, da die Anwendung zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch wenig Unterstützung in Form eines einfachen Eventsystems bzw. einer umfangreichen 3D-Objekte-Bibliothek bietet.

Kaufempfehlung für

+Fans von 3D-RPGs
+Hobby-Spieleentwickler
+Early Adopter

Ungeeignet für

– Englisch-Verweigerer
– Schnäppchen-Jäger

Fazit:
Enthusiasten, die vor dem geistigen Auge schon ein 3D-Spieleprojekt durchgeplant haben, können den Kauf der Vollversion in Erwägung ziehen. Schließlich bietet das Programm einen wirklich schnellen Einstieg in die 3D-RPG-Erstellung und macht auch nach weit über 12 Stunden Spielzeit noch großen Spaß. Dies liegt vor allem an dem gelungenen Leveleditor, der auch über eine fehlende Variation an mitgelieferten Objekten hinwegsehen lässt. Die Einschränkungen bei der Eventerstellung sind derzeit leider noch gravierend, hier bleibt auf eine umfangreiche Nachbesserung in Form eines Updates zu hoffen. Letztendlich sollten Interessenten den Smile Game Builder definitiv auf dem Schirm behalten. Wenn das Programm durch Updates seine Stärken ausbaut und einige Schwächen abstellt, erhalten Anwender künftig ein 1A-Tool und einen echte Alternative zum RPG Maker. 
Aktuell ist das Programm zum Preis von 73,99 Euro bei Steam erhältlich. Alternativ kann eine kostenfreie Demo heruntergeladen werden, die allerdings nur einen eingeschränkten Funktionsumfang bietet. 

Vielen Dank für die Bereitstellung des Smile Game Builder an den Hersteller SmileBoom Co.Ltd..

Daniel Rottinger

reist durch die Open-World von Watch Dogs 2 (Xbox One)
Mein Name ist Daniel und ich bin der Gründer von tech-win.de. Ich freue mich schon jetzt auf deine Kontaktaufnahme.

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